Vetternwirtschaft

Vetternwirtschaft und Ämterfilz

Dieser Text entstand ganz unter dem Eindruck des Aufbaus der Magdeburgseiten und der Beschäftigung mit der Genealogie im Zusammenhang mit den damals begonnen Darstellungen zu den Söhnen der Alemann-Bürgermeister der Jahre 1570-1680. Jakob und Johann.

Er stellt die Zeit der größten „Dichte“ der „Herren Alemänner“ im Rat der Alten Stadt Magdeburg vor, eine recht ruhig und „uninteressante“, also eher glückliche Zeit. … aber eine Zeit in der das gärte, was die „Geschichte“ in dem Jahrhundert zuvor „angesetzt“ hatte. 

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Gesamtansicht des Alten Marktes vor der Zerstörung von 1631

Man kann,

wenn man tagelang Texte abtippt, die wegen der alten Schrift leider nicht eingescannt werden können (und das haben wir bei der Liste der Ratsämter tun müssen!)

wenn man immer wieder die gleichen Namen sieht, die nur verschieden und oft höchst merkwürdig geschrieben werden,

wenn man nicht in der Vergangenheit lebt, sondern in der heutigen Bundesrepublik Deutschland,

kaum vermeiden, dass einem Gedanken in den Kopf kommen wie:

Das war ja eine nette Sippschaft!

Schaut man in die Genealogiedaten, dann zählt man als direkter Nachkomme schon manchmal seine Finger, weil doch manches dafür spricht, dass es auch mehr als zehn sein könnten. Trotz der relativ hohen Bildung, trotz weitläufiger Handelsbeziehungen, trotz vieler Möglichkeiten, über den Gartenzaun und die Stadtmauern hinauszuschauen, war das Leben in der Stadt Magdeburg mit Sicherheit in sehr vielen Punkten recht provinziell. Die alteingesessenen Patrizierfamilien waren untereinander auf das Engste verschwistert und verschwägert, was man nicht nur am Beispiel der Alemännner und der Gerickes zeigen kann:

Der Großvater von Jakob Alemann, Moritz Aleman (1506 – 1547) war ein Bruder der zweiten Frau von Hans Gericke, dem Vater von Otto von Guericke. Die erste Frau von Otto von Guericke war die Tochter der Schwester von Johann Alemann. Und – um die Verwirrung komplett zu machen – der Schwiegervater von Otto von Guericke war wiederum Jakob Alemann. Ähnliches lässt sich für die Familie Moritz und alle anderen Familien zeigen. Diese Verquickungen kann man endlos fortführen.

Man fungierte wechselseitig als Vormund oder Mündel; nicht nur die Ämter, sondern auch Eigentum und Erbe gingen hin und her, blieben aber dennoch in den Familien. Dieses System hielt, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen, drei Jahrhunderte allen Not- und Krisensituationen stand. Wenn man die Liste der Bürgermeister und Kämmerer studiert, fallen einzelne Patrizierfamilien auf, die Ämter und Würden über längere Zeiträume unter durchgehend besetzten. Für die Alemänner aber gilt, dass sie mit einer Pause in 15. Jahrhundert während der ganzen Zeit im Bürgermeisteramt, unter den Kämmerern. den Schöffen und den Schultheißen  zu finden waren. Im späten 16. Jahrhundert und dem ersten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts ist die Präsenz der Patrizierfamilie Alemann an der Spitze der Stadt geradezu erdrückend. Nicht selten trugen zwei Bürgermeister und oft noch mindestens ein Kämmerer gleichzeitig den Namen Alemann. In der Regel maximal ein Familienmitglied einen Posten als Bürgermeister oder Kämmerer. Lediglich am Ende des 15. Und in der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es über längere Zeit zwei Alemänner im Bürgermeistersextett.

Man kann also sagen: Die Spitzenposten in der Alten Stadt Magdeburg besetzten die Alemännner damals nahezu erblich. Aus heutiger Sicht ist das ein echtes Konfliktpotential und ein veritabler Grund für den Unmut der Bevölkerung. Nach 1631 sollte sich das abrupt ändern. Der letzte Alemann-Bürgermeister kam wohl nur noch ins Amt, weil er Nachfolger und Vertrauensmann von Otto von Guericke war, als dieser zu Lebzeiten seinen lebenslangen Bürgermeisterposten räumte.

Wie ist es dieser Ratsfamilie gelungen, ihren Einfluss und ihre Machtposition über drei Jahrhunderte zu behaupten? War es das Geld, war es ihre Klugheit und ihre Moral, war es ihre Skrupellosigkeit und Machtgier? Man kann hier viel spekulieren. Gudrun Wittek schreibt in Bezug auf die Brüder Heine und Heinrich Alemann, die 1497 wesentlich an der Aushandlung es Stadtfriedens von 1497 beteiligt waren:

Sehr augenfällig ist die lange soziale Beständigkeit der Familie Alemann. Wie dieses Geschlecht sein geschlossenes Handeln organisierte und mit welchem eigenen utzen ist allerdings bisher nicht nachvollziehbar. Die einzelnen Mitglieder vermochten wohl immer wieder mit ihrer Leistung auch den nächsten Generationen politiche Führungspositionen zu sichern.

Hat diese Familie mit ihrem Wirken dem Gemeinen Nutzen gedient? Der Magdeburger Stadtfriedensvertrag vermag darauf eine vorläufige Antwort zu geben.

In der Schöffenchronik klingt unterschwellig Kritik an, angesichts der von der Stadt erbrachten oder auch noch zu erbringenden finanziellen Leistungen. Die Auseinandersetzungen mit dem gefürchteten erzbischöflichen Gegner waren heftig und kostspielig. Aber jegliches Blutvergießen konnte vermieden werden! Und während der gesamten Regierungszeit der beiden Brüder Heinrich und Heyne Alemann sowie des Hans Alemann [als Schöffe] ist der so überaus wichtige Zusammenhalt zwischen Rat und Stadtgemeinde stabil geblieben. Es gibt keinerlei Hinweise auf Unruhen oder offene Unzufriedenheit unter der Bürgerschaft. Gab es eine gerechte und ausgewogene Lastenverteilung? Es spricht vieles dafür, am meisten der bewahrte innere Frieden. Dazu kommt die volle Wahrung des äußeren Friedens sowie der Stadt – und Bürgerfreiheit durch den Stadtfriedensvertrag 1497, an dem beide Bürgermeister wesentliche Verdienste hatten. Mit dem Vertragswerk lag eine wichtige befriedende Handlungsgrundlage vor zur Meisterung künftiger Konflikte.“
(Die Bürgermeister von Magdeburg Heinrich und Heyne Alemann – oer ein kurzer Blick auf die Diplomatie der spätmittelalterlichen Stadt, in: concordia magdna – Der Magdeburger Stadtfrieden vom 21. Januar 1497, Frankfurt/Main, 2006, S. 127f)

Das mag in gewisser Weise auch noch für die letzte Zeit, für das 16./17. Jahrhundert gelten. Doch hier ist die Ämterhäufung und die Vetternwirtschaft wirklich extrem:

Jahr Name im Original Amt im Rat
1550 Hanß Aleman Senior 1. Bürgermeister
1550 Moriz Aleman Kämmerer
1551 Heine Aleman 1. Bürgermeister
1552 Ebeling Aleman Kämmerer
1553 Moriz Aleman Kämmerer
1553 Hanß Aleman 1. Bürgermeister
1554 Heine Aleman 1. Bürgermeister
1555 Ebeling Aleman 2. Bürgermeister
1556 Moriz Aleman Kämmerer
1556 Hanß Aleman 1. Bürgermeister
1557 Martin Alemann Kämmerer
1558 Ebeling Aleman 2. Bürgermeister
1559 Hanß Alemann 1. Bürgermeister
1560 Martin Aleman Kämmerer
1560 Thomas Aleman Kämmerer
1563 Thomas Aleman 1. Bürgermeister
1563 Martin Aleman Kämmerer
1565 Ebeling Aleman 2. Bürgermeister
1566 Thomas Aleman 1. Bürgermeister
1566 Martin Aleman Kämmerer
1568 Ebeling Aleman 2. Bürgermeister
1569 Thomas Aleman 1. Bürgermeister
1571 Ebeling Aleman 2. Bürgermeister
1572 Thomas Aleman 1. Bürgermeister
1574 Hanß Moriz Aleman Kämmerer
1576 Casper Alemann Kämmerer
1577 Hanß Moriz Aleman Kämmerer
1579 Martin Alemann 1. Bürgermeister
1579 Casper Alemann Kämmerer
1580 Hanß Moritz Aleman 1. Bürgermeister
1581 Johan Martin Aleman (Hans Hans Alemann) 2. Bürgermeister (succesit)
1581 Johan Mertin Aleman Kämmerer
1582 Caspar Aleman 1. Bürgermeister
1583 Hanß Moriz Alemann 1. Bürgermeister
1584 Johan Mertin Aleman 2. Bürgermeister
1585 Casper Aleman 1. Bürgermeister
1585 Mertin Alemann Kämmerer
1586 Hanß Moritz Aleman 1. Bürgermeister
1587 Johan Mertin Alemann 2. Bürgermeister
1588 Mertin Aleman Kämmerer
1588 Casper Aleman 1. Bürgermeister
1589 Hanß Moriz Aleman 1. Bürgermeister
1590 Johan Mertin Aleman 2. Bürgermeister
1591 Casper Aleman 1. Bürgermeister
1591 Mertin Alemann Kämmerer
1592 Hanß Moritz Aleman 1. Bürgermeister
1593 Johan Mertin Alemann 2. Bürgermeister
1594 Caspar Alemann 1. Bürgermeister
1594 Mertin Alemann Kämmerer
1595 Hanß Moriz Alemann 1. Bürgermeister
1596 Johan Martin Aleman 2. Bürgermeister
1597 Casper Alemann 1. Bürgermeister
1597 Mertin Aleman Kämmerer
1598 Hanß Moriz Aleman 1. Bürgermeister
1599 Johan Mertin Aleman 2. Bürgermeister
1600 Caspar Aleman 1. Bürgermeister
1600 Mertin Aleman Kämmerer
1601 Hanß Moriz Aleman 1. Bürgermeister
1602 Johan Martin Alemann 2. Bürgermeister
1602 Ebeling Alemann Kämmerer
1603 Martin Alemann 2. Bürgermeister
1603 Caspar Alemann 1. Bürgermeister
1605 Johan Mertin Alemann 2. Bürgermeister
1605 Ebeling Alemann Kämmerer
1606 Mertin Aleman 2. Bürgermeister
1606 Caspar Aleman 1. Bürgermeister
1608 Johan Martin Aleman 1. Bürgermeister
1608 Ebeling Aleman Kämmerer
1609 Caspar Aleman 1. Bürgermeister
1609 Martin Aleman 2. Bürgermeister
1611 Johan Martin Aleman 1. Bürgermeister
1611 Ebeling Aleman (St. Lentke??) Kämmerer
1612 Martin Aleman 1. Bürgermeister
1614 Ebeling Aleman Kämmerer
1614 Caspar Aleman 2. Bürgermeister
1614 Johan Mertin Aleman 1. Bürgermeister
1615 Martin Aleman 1. Bürgermeister
1617 Johan Martin Aleman 1. Bürgermeister
1617 Caspar Alemann 2. Bürgermeister
1620 Casper Alemann 1. Bürgermeister

Zusammengefasst:

Die Alemänner im Rat zur Zeit der Belagerung von 1550/51

Hans Alemann K: 1522-1538 B: 1541-1559
Heine Alemann K: 1527 B: 1530-1554
Ebeling Alemann K: 1526-1552 B: 1555-1571
Martin Alemann K: 1557-1566 B: 1579

Die Alemänner im Rat in der Vorzeit des Dreißigjährigen Krieges:

Thomas Alemann K:1560 B: 1563-1576
Hans Moritz Alemann K: 1574-1577 B: 1580-1601
Caspar Alemann K: 1576-1579 B: 1582-1626
Johann Martin Alemann K: 1581 B: 1584-1617
Martin Alemann K: 1585-1600 B: 1603-1615

Von 1579 bis 1617 waren also immer drei Alemänner im Bürgermeistersextett (regierender, alter und oberalter Rat). Das ist wesentlich heftiger als in der Zeit von 1477-1506 oder 1541-1554, wo jeweils zwei Bürgermeister im Sechsergremium der Bürgermeister saßen. Es hat also durchaus seine Berechtigung, wenn die Familie Alemann mit der Herrschaft des Patriziats geradezu identifiziert wird, wenn ihr Wappenlöwe im Museum bis heute die Beherrschung des Rates durch wenige Familien repräsentiert. Am Ende dieser Kette der Vetternwirtschaft steht dann 1631 Johann Alemann, der auf eine besondere Weise als „Verräter“ beschimpft und „berühmt“ wurde. Er wurde in den „aufrührerischen“ Teilen der Bevölkerung nicht nur zur „Verräterbande“ des Rates gezählt, die auf den Kanzeln der Stadt aller möglicher Verbrechen bezichtigt wurde; er soll die Stadt mut- und böswillig den Kaiserlichen ausgeliefert haben. Weshalb wir ihm in dieser Sammlung von „Personengeschichten“ das abschließende Portrait widmen.

1579 bis 1603 lösten Hans Moritz, Johann Martin und Caspar Alemann einander im Jahresrhythmus im Mat eines der regierenden Bürgermeister ab. Caspar und Martin, bzw. Johann Martin Alemann bildeten zwischen 1603-1617 ein Duo, das im Dreijahresrhythmus beide Bürgermeisterposten besetzte. In der Regel war auch hier ein dritter Alemann unter den Bürgermeistern.

Hans Moritz Alemann (1545-1607) war bis 1601 Bürgermeister und ab dem 1.6.1602 Schultheiß. 1599 war er Abgesandter an den Kaiserhof in Prag, er wohnte wohl im Haus zum Güldenen Stern (Breiter Weg 59), war war Erbsass des Gutes Gommern, einem Lehn der Brandt von Lindaus. Ihm und seiner Frau Anna Robin, der Tochter des Bürgermeisters Franz Robin, widmete sein Sohn, Dr. Jakob Alemann jenen Epitaph von der Frontseite der Johanniskirche, der bis heute – vollkommen verwittert – dort zu sehen ist.

Johann Martin Alemann (1554–1618), studierte 1572 in Wittenberg, War Erbsass auf Benneckenbeck und Rothensee. Mit dem Rate der Altstadt weigerte er sich 1599, dem Domkapitel zu huldigen, das die Vormundschaftsbehörde für den 11jährigen Administrator bildete. – Er war wiederholt Abgesandter (mit Hans Moritz) an den Kaiser Rudolf nach Prag. Es ging dabei vor allem um die Zustimmung der Stadt, dem neuen Administrator (protestantischer Erzbischof) Christian Wilhelm von Brandenburg zu huldigen, wozu die Stadt nach der Ermordung des Erzbischofs Burchard III 1325 von Kaiser und Papst verpflichtet worden war. Christian Wilhelm war ein elfjähriger Knabe und das Domkapitel sollte bis zu seiner Volljährigkeit die Regierung führen. Die Stadt strebte aber immer noch die Reichsunmittelbarkeit an und wollte nur einen amtsfähigen Administrator als Erzbischof anerkennen. Das Domkapitel brachte die Sache von den Kaiser in Prag und kam es nach langen Verhandlungen dann am 10. April 1602 doch zu einer Vereinbarung. (Hertel/Hülße, Bd2, S. 69ff).  9.3.1602 verlieh Kaiser Rudolf II. 12 Mitgliedern der Familie Alemann den Adelstand des Reiches und der Habsburgischen Lande. Inwiefern es hier Zusammenhänge mit den anderen Verhandlungen gibt, kann man zumindest fragen. Das Testament von Johann Martin ist im Portrait seines Sohnes Johann nachzulesen. Johanns Tochter Katharina heiratete Dr. Jakob Alemann, deren Tochter Margarethe wiederum wurde die erste Ehefrau von Otto von Guericke.

Hinter den Vornamen Kaspar verbergen sich Vater und Sohn: Caspar Alemann (1550-1610), Sohn Kaspar Alemann (1580-1633).

Der Vater war der Sohn jenes Ebeling Alemann, der zu den Centuriatoren gehörte und von 1555-1571 Bürgermeister war. Caspar studierte von 1569-1573 in Rostock und Frankfurt/Oder. Mit 26 wurde er Kämmerer und mit 30 Bürgermeister. Er soll (nach unserer Genealogiedatenbank) von 1592-1610 gleichzeitig Schöffe und Bürgermeister gewesen sein, was mir gar nicht einleuchtet. Er wohnte unweit der Ulrichskirche in der Stallstraße (später Große Münzgasse genannt), nach dem Häuserbuch müsste es das Brauhaus Zum goldenen Anker, die Nr. 17, gewesen sein.

Sein Sohn Kaspar erbte das väterliche Haus. 1614 und 1617 war er Bürgermeister, Danach ab 1620 Schöffe. Er gehörte zu den fünf Mitgliedern des Schöffenstuhls, die am 7. Juni 1631 erfolglos an den Kaiser ein Bittgesuch richtete, um die Wiedererrichtung des Magdeburger Schöffenstuhls zu erreichen. 1631 war nach der Zerstörung der Stadt und der Ratsreform war er nochmals im Rat der Stadt Magdeburg, starb aber schon 1633. Seine Witwe lebte noch 1635. Die Güter Callenberge und Sohlen gingen anscheinend zu dieser Zeit der Familie verloren. Die Ratsmitgliedschaft nach 1630 zeigt, dass die Familie Alemann auch in dieser Zeit in Magdeburg noch präsent und offensichtlich geachtet war!

Martin Alemann (1550-1621) war ein Bruder von Johann Martin. Ihr Vater war Martin Alemann, der Katharina Alemann, der Tochter des Stadtobristen und Kämmerers Ebeling Alemann, der mit einer Katharina Rhode verheiratet war. Der Beschreibung in der Genealogie ist zu entnehmen, dass er einen Großhandel mit Seide, Wolle und Tuchen betrieb und Vermögen zur Kapitalbeschaffung verkaufte. Seit 1585 war er Kämmerer von 1603 war er Bürgermeister bis 1615, danach Schultheiß.

In gewisser Weise ist das Erbbegräbnis an der Johanniskirche auch ein Symbol für eine „Dynastie“, die die Herrschaft über den Rat auch mit einem Erbbegräbnis an der Ratskirche dokumentieren wollte. Der Vater von Johann Alemann, Johann Martin Alemann ließ dieses Erbbegräbnis einrichten. Otto von Guericke kaufte der Witwe von Johann dann diese Begräbnisstätte ab.

Die meisten Familienmitglieder wurden an der Ulrichkirche beigesetzt, wo sich wohl die älteren Erbbegräbnisse befanden. Wie der Volksmund wusste:

Zu St. Ulrich die Reichen, zu St. Johannis die Gleichen;
zu Skt. Katharinen das Mittelgut, zu St. Jacob die Armut;
zu St. Peter die Fischer; zum Heiligen Geist die Tisch(l)er

Alemann-Guericke-Erbbegräbnis: Von Johann Martin Alemann errichteter Kapellenanbau an der Nordseite der Johanniskirche

Die Alemannkapelle ist heute zerstört. Sie mag für damalige Zeit aber schon recht eindrucksvoll gewesen zu sein. Die Kapelle kann auch als Symbol dafür genommen werden, dass das Wort „die Gleichen“ für die Herrschaft der Reichen steht, die sich wie die Erzbischöfe im Dom, in der Kirche des Rates ihre letzte Ruhestätte suchten. Der langjährige, reiche und mächtige Bürgermeister Johann Martin Alemann wollte an der Ratskirche begraben sein; das angestammte Familiengrab im Ulrich-Viertel der Reichen schien seinem Prestigedenken nicht mehr zu entsprechen. Zum anderen wäre ein ganz praktischer Aspekt denkbar: Vielleicht wollte er seiner Familie weite Wege ersparen? Johann Martin wohnte nämlich am Alten Markt, direkt neben Rathaus und Ratskirche.