Familie von Alemann
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Aus: Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten

Textauszug aus Hans-Joachim Krenzke, Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt Magdeburg 1998, S. 41 ff


Die Hauptpfarr und Ratskirche St. Johannis



Thomas Alemann (1594) - älteste figürliche Darstellung aus bürgerlichen Altstadtkreisen

Während sich um Pfalz und Dom das Regierungsviertel des Erzbistums samt entsprechender Begräbnisstätten etabliert, wächst im Schutze der Markgrafenburg die Siedlung der Kaufleute heran. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Alten Markt wird bereits um 936 eine Pfarrkirche errichtet. Diese, zumindest aber ein Nachfolgebau, wird in der Chronik, des Thietmar von Merseburg erwähnt. 1170 wird jene Volks und Marktkirche plebeia ecclesia, ecclesia mercatorum dem Schutze des Evangelisten Johannes anempfohlen, wobei sich die Lautverschiebung Johannis einbürgern wird. Das in der Karfreitagsnacht des Jahres 1207 auf dem Breiten Weg ausbrechende Großfeuer, zieht möglicherweise auch die Johanniskirche in Mitleidenschaft. Als 1208 deren Wiederaufbau beginnt, wird dieser zu einem Wettstreit mit den Männern der Domhütte. Johanniskirche wie dazugehöriger Kirchhof gehören zu den bedeutenden Begräbnisstätten Magdeburgs. Bereits 1164 ist urkundlich von einem "prope cimiterium beati Johannis evangeliste" die Rede.

(Urkundenbuch des Kloster Unser Lieben Frauen, Nr. 32, Halle, 1878)


Grabmale an der Kirchenaußenwand



Johanniskirche von der Seite (Kinderepitaph)


Der schon ganz zerstörte Epitaph der Vorderfront


Der Zustand des Steines vor dem 1. Weltkrieg

Die Johanniskirche selber immer wieder von Feuer und Kriegseinwirkungen heimgesucht ist Grablege für hochgestellte Persönlichkeiten der Stadt gewesen. Die Annalen Magdeburgs verweisen in diesem Zusammenhang des öfteren auf "die engen Beziehungen von Rathaus und Hauptpfarr und Ratskirche" hin.

(Alfred Frantz, Pfarrer an St. Johannis)

Durch glückliche Umstände ist am Westwerk der Johanniskirche, und zwar zur Linken der Vorhalle, ein Grabstein erhalten geblieben. Da das künstlerisch bestechende Renaissance Epitaph schon 1931 "ein leider sehr zerstörtes" war, berief sich Alfred Frantz in seinem Buch "St. Johannis die Hauptpfarr und Ratskirche der Stadt Magdeburg" auf seinen Amtsbruder aus dem Jahre 1727, der seinerzeit die verwitterten Inschriften noch zu entziffern vermochte. Pfarrer Kettner hielt für die Nachgeborenen fest:

"Johannes Alemanus Mauricii filius Reipubl. Magdeb. consul demum Praetor unacum liberis affinibus et cognatis hic recubans gloriosum Christi salvatoris adventum exspectat, placide in domino defunctus 6. December anno 1607."

Und daneben stand geschrieben:

"Anna Robina Alemani conjux 6. Sept. anno Christi 1607 pie obiit. Parentibus suavissimis atque optime meritis memoriale hoc poni curabat filius senoir Jacobus Alemannus J. (iuris) U. (utriusque) Doctor Scabina magedeb. assessor."

Somit gibt das Grabmal Kunde davon, daß der Magdeburger Bürgermeister ALEMANN mit einer Enkelin des Bürgermeisters Robien verheiratet war. Der Alemannsche Sohn Jakob wiederum, der das Epitaph stiftete, wurde 1626 der Schwiegervater Otto Gerickes, wie sich der junge Ingenieur zu dieser Zeit noch schrieb.

Auch an der Südseite der Kirchenaußenwand von St. Johannis ist der Rest eines gleichfalls interessanten Grabsteins zu sehen. Bereits Pfarrer Frantz stellte fest:

"Alles ist völlig zerwettert bis auf das Wappen im Unterteil. Es trägt die Insignien der Familie FRICKE. Eine alte Urkunde sagt, daß der Stein dem Peter Fricke gesetzt war, der im Jahre 1575 starb. [..] Wir wissen, daß die Frickes sehr aktive Freunde der Luthersache waren. Unter dem Fricke Stein findet sich recht gut erhalten ein Grabstein, der ein kleines Kind in langem Sterbekleid zeigt. [..] Zwei Wappen füllen links und rechts die Ecken oben. Das rechte ist wieder das Frickesche, das linke das der Alemanns. Unten trägt eine schmale Rollwerkkartusche die leidlich gut erhaltene Inschrift: 'Thomas Alemann ... a. o. seines Alters 15 Wochen 1 Tag t 94' (1594). Es ist die älteste aus bürgerlichen Altstadtkreisen stammende figürliche Darstellung auf einer Sepulkralskulptur. Es handelt sich um den Enkel jenes Peter Fricke, den kleinen Thomas Alemann."

Im ausklingenden Mittelalter befand sich an der Nordwand von St. Johannis das Erbbegräbnis einer weiteren hoch angesehenen Magdeburger Patrizierfamilie, und zwar jenes der Familie WESTPHAL.



Stand: 28.06.2004 22:16  © 1998-2015   · Webmaster
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